Schmerzen im Becken- und Beckenbodenbereich

Diagnosen

Anhaltende Schmerzen oder wiederkehrende Schmerzepisoden im Beckenbereich und Beckenboden werden als chronic pelvic pain syndrom (CPPS) bezeichnet. Die Ursachen sind häufig unklar und ohne erkennbare Pathologien. Sie enthalten Diagnosen wie Vulvodynie (Schmerzen im Vulvabereich), Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr), Lichen sclerosus (chronisch verlaufende, entzündliche Hauterkrankung des äusseren Genitalbereichs, gehört vermutlich zu den Autoimmunkrankheiten), Vaginismus (eine unwillkürliche Verkrampfung oder Verspannung des Beckenbodens der Frau, wodurch der Scheideneingang eng oder wie verschlossen erscheint), Urethral-Syndrom (Beschwerden im Harnröhrenbereich).

Symptome

Die meisten Frauen beschreiben die Schmerzen als brennend, stechend oder kribbelnd, oftmals mit Jucken verbunden, aber auch andere Empfindungen wie Druck-, Krampf-, oder Verspannungsgefühle oder häufiger, starker Harndrang können auftreten.
Bei Vaginismus ist es so, dass sich die Beckenbodenmuskulatur um den Scheideneingang unwillkürlich anspannt, sobald etwas in die Scheide eingeführt werden soll. Aus Angst vor möglichen Schmerzen verkrampfen sich die Beckenbodenmuskeln reflexartig. Bei Vaginismus kann eine Vulvodynie oder Dyspareunie dahinterstecken.

Die meisten der oben genannten Diagnosen können fliessend ineinander übergehen oder es kann eine Mischform entstehen.
Die Schmerzintensität reicht von schwach bis sehr stark oder gar unaushaltbar, teilweise mit der Unmöglichkeit Berührungen zu ertragen. Die Symptome können konstant oder vorübergehend, zum Beispiel nur nach dem Wasserlösen oder während der Sexualität bemerkbar sein. Die Schmerzen können nach dem Geschlechtsverkehr aufhören oder noch einige Zeit danach anhalten. Manche Schmerzen kommen erst beim Orgasmus vor. Meistens ist Geschlechtsverkehr jedoch gar nicht mehr möglich.
Langes Sitzen, enge Kleidung oder Stress kann die Beschwerden verstärken.

Die Schmerzen sind meist chronisch, also länger als drei bis sechs Monate anhaltend und können zu körperlichem, emotionalem und sexuellem Stress führen. Schmerzen beim Sex können auf  Dauer eine Belastung für die Partnerschaft sein und wegen des hohen Leidensdrucks psychische Probleme (z.B. depressive Verstimmungen) verursachen.

Weshalb ist die Dunkelziffer von betroffenen Frauen so hoch?

Es handelt sich um ein häufiges Problem und dennoch wird diesem Bereich nach wie vor erstaunlich wenig Beachtung geschenkt. Im Alltag sind Becken- und Intimbeschwerden leider so gut wie kein Thema. Dies, weil sich Betroffene dort, wo man sie am ehesten statistisch erfassen könnte, so selten wie möglich blicken lassen: in den Praxen der Gynäkolo­gInnen. Aus Angst vor schmerzhaften Untersuchungen und/oder aus Angst vor mangelndem Verständnis. Denn da liegt der zweite Grund für die hohe Dunkelziffer, selbst Fachpersonen erkennen sexuelle Funk­tionsstörungen häufig nicht oder betrachten sie als vorübergehendes Phänomen, das sich vermeintlich leicht beheben lässt. In der Ausbildung der ÄrztInnen werden sexuelle Probleme kaum behandelt. Diese scheinen irgendwo zwischen die Disziplinen zu fallen, weil sie ebenso eine seelische wie körperliche Ursache haben können. Zur relativen Unbekanntheit des Phänomens trägt bei vielen sexuellen Funktionsstörungen auch die immense Scham der Betroffenen bei, die oft kaum jemandem davon erzählen. 

Entstehung der Schmerzen

Nozizeptoren sind für die Schmerzwahrnehmung zuständig, wobei sie Nervenzellen darstellen, die auf Druck, Entzündungen sowie Schmerzen reagieren und diese Impulse an das Rückenmark und Gehirn weiterleiten. Eine besondere Anhäufung findet sich in der Haut. Die Sinnesempfindung "Schmerz" entsteht erst durch die Verarbeitung im Cortex (Grosshirnrinde).
Die Nozizeptoren können durch vielerlei Faktoren beschädigt werden. Beispielsweise durch Laserbehandlungen der Haut im Vulvabereich, welche das Gewebe verletzen. Eine Gewebeverletzung kann jedoch auch durch eine ständige Entzündung hervorgerufen werden. Beispielsweise auf dem Boden von Candida-Infektionen (Scheidenpilz bei der Frau), die verstärkt bei erblicher Vorbelastung auftreten können. Je häufiger Pilzinfektionen und/oder Harnwegsinfekte in der Vorgeschichte vorkommen, desto häufiger ist das Risiko für eine Erkrankung an Vulvodynie.
Die ständige Anwendung von lokal auf dem Vestibulum der Frau (Scheideneingang) angewendeten Anti-Pilz-, Kortison- und Betäubungscremen oder vaginale Muskelrelaxantien (Wirkstoffe, meist in Zäpfchenform, die die Muskulatur entspannen) kann das Gewebe reizen und somit die Übermittlung von Schmerzimpulsen steigern. Wenn die Nerven sich zu regenerieren versuchen, also sich wiederaufbauen, kann eine solche Gewebeschädigung zusätzliche Nervenendigungen entstehen lassen. Mechanische Einwirkungen auf einen der Beckennerven, oftmals des Pudendusnervs (Hauptnerv des Beckens) kann auch die Ursache für den neuropathischen Schmerz sein. Beispielsweise durch vermehrten Druck, Virusinfektionen, Nervendurchtrennungen oder Störungen im Rückenmark oder im Gehirn selbst. Auch eine psychische Belastung kann Einfluss auf die Beckennerven haben und Intimschmerzen begünstigen.
Durch all diese Faktoren kann dieser chronische Schmerzkreislauf in Gang gesetzt werden. Immer mehr Nerven reagieren immer sensibler auf auslösende Faktoren und senden immer mehr Signale an das Rückenmark und Gehirn. Diese Signale werden vom Gehirn als Schmerzempfindung registriert. Schliesslich kann es zu der sogenannten „Kurzschlussreaktion“ kommen und die Nerven selber, senden weiterhin Schmerzsignale an Rückenmark und Gehirn, ohne dass der oder die auslösenden Reize weiter bestehen. Es lässt sich eine vermehrte Aktivität bestimmter Hirnregionen, welche mit der Schmerzverarbeitung verbunden sind nachweisen. Die Regionen bei den verschiedenen Diagnosen können etwas unterschiedlich lokalisiert sein. Analog zu Kopfschmerzen kann man sich dies wie folgt vorstellen: bei Migräne sind andere Hirnareale aktiviert als bei Spannungskopfschmerz. Aber unabhängig von der Lokalisation im Gehirn führt die vermehrte Aktivität zu einer Herabsetzung der Schmerzschwelle. 

Was zeichnet mich und meine Behandlungen aus?

Die Ursache der Schmerzen scheint im Bereich der Nervenfunktion, meist in Kombination mit genetischen, psychosozialen, emotionalen und infektiösen Faktoren zu liegen, welche von Frau zu Frau variieren. Es liegt mir am Herzen, dass Sie sich gut aufgehoben und wohl fühlen. Sie erhalten genug Raum und Zeit, damit Sie die Möglichkeit haben Ihr Anliegen zu schildern.
Craniosacral-Therapie ist eine effektive Therapiemöglichkeit bei den oben erwähnten, chronischen Schmerzen im Becken-und Beckenbodenbereich. Die Beruhigung Ihres Nervensystems, die Arbeit mit der Überstimulierung der Wirbelsegmente (Erhöhung der Schmerzschwelle), sowie die Ausbalancierung von Sympathikus und Parasympathikus (vegetatives Nervensystem) spielen dabei eine zentrale Rolle. Bei dieser ganzheitlichen Körperarbeit werde ich jedoch nicht nur einzelne Teile Ihres Körpers oder einzelne Schmerzen, sondern Sie als Mensch insgesamt betrachten. Ihr innerer, individueller Behandlungsplan kann auf physischer, psychischer und emotionaler Ebene den Ursprung der Schmerzen aufzeigen. 

Stressreduzierung, die Achtsamkeit mit sich selbst und das Vertrauen in die Intelligenz des Körpers sind zudem wichtige Elemente für Ihre Genesung.

Meine zur Craniosacral-Therapeutin ergänzende Weiterbildung in Sexualmedizin bei 
Dr. med. Regina Widmer, Frauenärztin FMH, Frauenpraxis Runa in Solothurn
Inhalt: Weibliche und männliche Sexualität, anlehnend an das Sexocorporel-Konzept, Theorie und Körperübungen, Sexualanamnese, Austausch, Selbstreflexion, Übertragung in die berufliche therapeutische Arbeit, richtet sich darauf, Sie bestmöglich zu unterstützen und Ihnen zu helfen.

Gerne arbeite ich auf Ihren Wunsch mit Ihrem GynäkologIn, UrologIn, DermatologIn und weiteren Fachpersonen zusammen.